Test Fujifilm X-T2 gegen Leica M und Leica SL

Okay, als erstes sollte man sich die Frage stellen, wie es denn eigentlich zu einem so unsinnigen Vergleich kommen kann, und für wen sich ein solcher Vergleich überhaupt stellt. Es ist ja ein bisschen “Vernunft gegen Leidenschaft”. Und genau diese Frage hat sich MIR tatsächlich gestellt. in der Vergangenheit habe ich mit Nikon gearbeitet, und mit Leica bin ich meiner leidenschaftlichen Fotografie nachgegangen. Natürlich war die M auch bei vielen Business-Portrait, und selbstverständlich auch bei Hochzeits-Reportagen mit dabei. Aber für viele Jobs ist sie wegen des manuellen Focus nicht zu gebrauchen. Deshalb hatte ich ein paar Vollformat-Nikons zum Arbeiten.

Nun kommen einem Fotografen bei vielen Jobs natürlich Kollegen mit anderen Kameras “in die Quere”, und natürlich musste ich diese auch ausprobieren. Zusätzlich war da ein Auftrag, der schönes (!) Video Material in 4k benötigte, was meine Nikons nicht konnten. Naja, machen wir es kurz: Sony find ich doof (jaja, ich weiss, die beste Kamera überhaupt auf der ganzen Welt und wieder zurück), Canon hat es mit der 5D und dem 1.2/85 bei mir für immer versaut (ich sag nur AF), die Nikon Z-Serie ist langweilig. Also hab ich mir eine Leica SL ausgeliehen, und mich verliebt. Aber alle schwören auf Fujifilm.

Warum eigentlich Fujifilm?

Aus meiner Sicht macht Fuji gerade vieles richtig. Im Marketing. Sie schaffen es, gezielt “Influencer” auszustatten, und machen sehr gutes Social Media Marketing (im Gegensatz zu allen anderen Kameraherstellern). Sie schaffen es, gefühlt 35 Kamerabodies am Markt zu halten, die alle mehr oder weniger die gleichen technischen Daten haben, aber komplett unterschiedliche Preise. Sie schaffen es, Fotografen, die jahrelang auf Vollformat Bodies geschworen haben, ihre kleinen Crop-Kameras anzudrehen, und sie behaupten sogar, “Fullframe Qualität” mit Crop Sensoren zu erschaffen (Optik und Physik wurden in Tokyo scheinbar ausser Kraft gesetzt?), und verkaufen Crop-Kameras zum Preis ausgewachsener Fullframes. Aber: jeder der eine hat, schwört auf die Fuji, und es gibt wirklich richtig interessante Optiken.

Die Kandidaten.

Also zunächst mal natürlich meine langjährige Liebe: die Leica M mit dem Summilux M 1.4/75mm. Mit dieser Kamera habe ich die meisten meiner Lieblingsbilder der letzten Jahre gemacht, und ich gebe zu, sie ist weit mehr als eine Kamera für mich geworden.
Das Gute an der Leica M: Sie ist besonders. Man spürt Metall und Leder beim Fotografieren, alles ist altmodisch, man muss händisch scharfstellen mittels “Rangefinder”. Es gibt nicht viele Funktionen. Lichtstarke Objektive lassen sich allerdings nur mit einem aufsteckbaren elektronischen Viewfinder sinnvoll scharfstellen.

Dann ist da mein neues Arbeitstier, die Leica SL mit Summicron SL 2/75 (das Ding ist wirklich nur f/2!). Zu dieser Kamera werde ich einen ausführlichen Bericht schreiben, wenn ich sie eine Weile habe, und auch mehr Bilder zeigen kann.
Das gute an der Leica SL ist ihre Geschwindigkeit und ihre Variabilität. M Objektive sind ganz natürlich an der SL, und die SL Objektive sind sehr schnell. Alles fühlt sich an, wie sich eine Leica anfühlen muss. Nur ein einziger Knopf ist beschriftet: on/off.

Ja und dann ist da die Fujifilm X-T2 meiner Kollegin Anette mit dem sagenumwobenen Fujinon 1.2/56mm. Anette nutzt beruflich diverse Fujis mit ein paar Linsen und schwört auf die kleinen Dinger.
Das Gute an der Fuji X-T2: Sie ist klein und modern, schnell, aber vor allen Dingen leicht. Die Knöpfe sind aus meiner Sicht eher zufällig angeordnet, aber die Drehrädchen fühlen sich sehr wertig an. Wohl der Grund warum man die Bedienung mit “Leica Gefühl” umschreibt. Ich finde, sie fühlen sich wirklich gut an, die Fujis!

Leica vs. Fuji Fujifilm X-T2 Test

Und die Bildergebnisse im Vergleich?

Also zunächst mal herzlichen dank an @Gulliwum fürs Modell stehen. Fotografiert wurde indoor, bei nicht idealen Lichtbedingungen, und die Ergebnisse sind natürlich alle nicht vergleichbar. Für mich aber eben doch: denn genau so arbeite ich. Drinnen und unter nicht 100% identischen Bedingungen. Warum sollte ich also um Kameras zu vergleichen Testcharts und Backsteinwände vom Stativ aus fotografieren, wenn ich so einen Quatsch doch niemals ins Portfolio packen würde? Es geht um Menschen. Also fotografiere ich Menschen. Gulliwum.
(für die Nerds: Fotografiert wurde in RAW, Umwandlung hat Adobe Lightroom übernommen. Auf einem Mac, da werden die Bilder schöner.)

Beginnen wir mit der Fujifilm X-T2 und dem Fujinon 1.2/56mm

Zunächst mal das Wichtigste vorab: Das Bild ist wunderschön, und das Bokeh, das das 1.2/56 zeichnet ist wunderschön und weich. Es wurde auf die Augen focussiert und da ist es auch super scharf. In Summe ist das Bild kühler und farbiger als die Bilder aus den anderen Kameras. Ich muss aber zugeben, dass mich das Bokeh wirklich etwas umgehauen hat, das hätte ich nicht erwartet – weil es eben ein kleiner Sensor ist. Circle of Confusion – diesmal in meinem Kopf. Respekt, Fuji!

Hier noch ein 100% Crop aus der Fuji. Wie gesagt: Die Schärfe ist gut, und der Bokeh-Verlauf sehr harmonisch.

Auch wenn es im Hintergrund (oh Tannebaum) unruhig wird, ist das Bokeh aus der Fuji weich und keinesfalls das “Mettwurstbokeh” das man bei einfachen Linsen in diesem Fall vorfindet:

Die Leica SL mit Summicron SL 2/75mm

Okay, die Farbigkeit ist komplett anders aus der Leica SL. Die Haut-Zeichnungen sind sanfter, das Bild in Summe wärmer. Der Kontrast im Schärfebereich ist der absolute Hammer, und ich muss zugeben, sowas vorher nicht gesehen zu haben:

Das Bokeh mit der Tanne ist spannend, da es eine Verformung aufweist – die Lämpchen sind nicht ganz rund. In Summe ein faszinierendes Bokeh, das die Wetzlarer in das Objektiv gezaubert haben:

Nun zur Leica M (240) mit dem Summilux 1.4 / 75mm

Das wärmste unter den Bildern. Und das Weichste gleichzeitig. Aber irgendwie modellierter als die Bilder aus den anderen Kameras. Das Bokeh verläuft noch weicher als bei den anderen Kombinationen, das Auge des Betrachters wird regelrecht geführt.

im 100% crop erkennt man dass das Bild in Summe weicher ist. Das Bokeh zeichnet direkt hinter dem Auge. Man nennt das wohl den “Leica look”…

Auch das Tannen-Bild ist wieder viel weicher als die anderen Bilder. Es ist nicht realistischer, aber irgendwie “schöner”…

Und welches Bild ist nun am Besten?

Das kann man natürlich nicht so einfach beantworten: zunächst mal sind alle Bilder auf sehr hohem technischen Niveau.
Dann haben wir bisher ja nur Bilder ohne Bearbeitung angeschaut – bzw. eben nur umgewandelt in LR.
Das etwas kühlere aus der Fuji hat man in wenigen Sekunden so warm gemacht, wie die anderen Bildlooks.
Aus diesem Grund habe ich die Bilder nochmal so bearbeitet, wie ich sie normalerweise bearbeite, denn dann sehen wir die realistischen Ergebnisse NACH dem Workflow:

Fujifilm X-T2

Leica SL

Leica M

Naa? Welche Kamera macht die besten Bilder?

Ich denke, Ihr seht, worauf ich hinaus will: Wenn man die Bilder in seinem eigenen Workflow bearbeitet, sind sie nicht weit auseinander. Sie unterscheiden sich in Details. Je nachdem, welche Details DIR wichtig sind, ist genau das das beste Bild. Aber ob es deshalb auch die beste Kamera für Dich ist? Wenn Dir das Bild aus der SL am besten gefällt, aber sie Dir einfach zu schwer ist? Was wenn Du die M Bilder am schönsten findest, aber Du nicht manuell focussieren willst? Und wenn Du die Fuji Bilder am Besten findest, aber Dir die Kamera einfach von der Bedienung her nicht gefällt?

Leica vs. Fuji Fujifilm X-T2 Test

Ein Fazit

Die Fuji X-T2 macht Fotos auf einem sehr hohen technischen Niveau. Das Bokeh des 1.2/56 ist wirklich beachtlich schön. Das Thema “crop” ist aufgrund der guten Optik kein Thema mehr. Die Kamera ist klein und leicht zu bedienen. Im Vergleich sind die Bilder etwas kühler, was man in der Nachbearbeitung aber schnell in den Griff bekommt.

Die Leica SL macht das perfekteste Bild. Sie zeichnet die Haut wunderschön, und hat die tollste Farben. Das Summicron 75 ist auf einem unglaublichen Niveau. Der Kontrast i den Schärfebereichen ist unglaublich gut, das Bokeh weich, die Farben authentisch.

Die Leica M 240 mit dem alten Summilux 1.4 / 75 macht aus meiner Sicht das schönste Bild. Es ist aber weniger perfekt. Das Bild ist in Summe weicher, aber plastischer. Das Licht fällt weicher in die Schatten. Die Bedienung der M ist natürlich kompliziert und sperrig im Vergleich.

Die beste Kamera

kann es nicht geben. Und das ist auch gut so. Sonst würde vermutlich jeder grad eine Sony shooten, weil diese im Moment im Kamera-Quartett immer sticht.
Wichtig ist dass DIR die Kamera Freude macht, Du sie gerne benutzt – denn DANN machst DU die besten Bilder. Technisch ist jede Kamera heute auf sehr hohem Niveau, wenn man sie mit anständigen Optiken bestückt.

Kauf die Kamera die Du liebst.

(Für Fuji-Fans: Natürlich ist Fuji die beste Kamera. Für die Fans aller anderen Kameras: Wäre sie mit getestet worden, hätte sie natürlich gewonnen. Warum hier diese Kameras waren: weil sie toll sind.)

Leica vs. Fuji Fujifilm X-T2 Test

2 Gedanken zu „Test Fujifilm X-T2 gegen Leica M und Leica SL

  1. Wolfgang Plattner Antworten

    Hört doch endlich einmal mit diesem unsäglichen „ … die Kamera, die du liebst“ Schwachsinn auf … obwohl er hier zur grundsätzlichen Dampfplauderei des Textes wieder gut passt.

  2. Roland R. Antworten

    Hallo zusammen, ich bin mit der Fuji X-T1 & X-T2 unterwegs, dazu mehrere Fujinon Objektive und bin voll zufrieden mit der Qualität der Kameras und der tollen Objektiven. Mein Lieblingsobjektiv ist das 56 R. Vergleichen möchte ich Fuji hier nicht zu den Leicas, mit Ausnahme zu schreiben: “You don’t brake the Bank with Fuji”.
    Gut Licht an Alle, Roland
    http://www.foto-roland.com

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