Zusammenarbeit mit Linsensüppchen 54.

Manchmal ist es so, dass man fotografisch ein bisschen in der Klemme steckt. Nicht mehr weiter weiss, in einer Einbahnstrasse gelandet ist. Mir ging es Ende letzten Jahres so. Ich wusste nicht mehr so recht, wo hin mit mir und meiner Fotografie (zumindest, was die freien Arbeiten angeht) – das Genre Portrait war aus meiner Sicht ausgereizt, und wird beherrscht von ein paar wenigen Fotografen, die sich selbst wohl für „die Grossen“ halten. Die Bilder gleichen alle einander, und wenn man „erfolgreich“ (was ist das eigentlich? Vielleicht mal ein eigener Artikel) sein möchte, muss man halb nackte Mädchen mit coolen Kappen auf Parkhausdächern fotografieren. Natürlich mit einer der grad angesagten Kameras, das ist ja immer viel wichtiger als das Bild. Im Querformat. Bei Gegenlicht. Oh man ey…

Zeit für mich, mich ein wenig zurückzuziehen aus dieser Art der Fotografie. Genau zu dieser Zeit lief mir im Netz das „Linsensüppchen 54“ über den Weg. Eine Fotografin aus dem Raum Paderborn, die irgendwie erfrischend konventionslos arbeitet. Goldener Schnitt? Braucht kein Mensch. Regeln für Blicke in Motiven? Wozu? Und wieso sind Wolken eigentlich so sexy? Ich fand das alles sehr spannend, und so kamen wir ins Gespräch. Über die Fotografie an sich, unsere Ziele, und das ganze drumrum.

Kurzum: Wir stellten fest dass wir uns sehr gut ergänzen. Mit unseren Meinungen, unserem Verständnis von Fotografie und Kunst. Während ich mehr aus der Fotografie komme, ist „Linse“ auch Künstlerin. Während ich aus der technischen Welt komme, mit Kameras spiele, Verschlusszeiten und Blendenöffnungen genau so „sehe“ wie das Licht, weiss, wie Licht fallen muss um was zu erreichen, sieht „Linse“ Bilder, die Geschichten und Emotionen dahinter. Sieht mit künstlerischem Blick eine Situation, eine Geschichte hinter einem Bild, das sie emotional transportiert. Ich fotografiere im jetzt und hier, transportiere Licht, Schärfeverläufe, steuere die Blicke der Betrachter mit Ausschnitten und Schärfeführung über meine Bilder. „Linse“ schneidet stattdessen brachial und respektlose Schnitte, sie transportiert Lebensgefühl, es wird gelacht oder einfach nur dagesessen. Ihre Serie „70s“ ist beschwingt, voller Leichtigkeit und dem Lebensgefühl der damaligen Zeit…

So verschieden wir also sind, so gut ergänzen wir uns auch. Zusätzlich dazu verstehen wir uns auch wahnsinnig gut, so dass wir beschlossen haben, ab sofort zusammen zu arbeiten. Erste Ergebnisse dieser Zusammenarbeit sind zum Beispiel meine Bilder aus der Serie #dark 

Wir haben uns darauf geeinigt, zukünftig öfter zusammen zu fotografieren, um Arbeiten umzusetzen, die unkonventionell sind, und die unsere Stile miteinander verbinden – da „Linse“ nicht nur hinter, sondern auch vor der Kamera als Model ein tolles Bild abgibt, bietet sich das natürlich an. Zusätzlich dazu coachen wir uns gegenseitig, was die fotografische Entwicklung angeht, selektieren gemeinsam Bilder aus Shootings. Wir planen Shootings zusammen, erstellen gemeinsam Lookbooks, diskutieren, streiten, lachen über Bilder, Models, Pläne…

Und ich mag die „Linse“.

Web: Linsensüppchen 54

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