Von Foto-Händlern die über die Ware die sie anbieten nicht verfügen…

Ja, ich bekenne mich schuldig!
Ich gehe nicht zum Fachhandel, lasse mich stundenlang beraten, und kaufe dann eine Kamera, sondern ich kaufe meist online. Das liegt zum einen daran, dass ich in der Regel sehr genau weiss, was ich eigentlich haben möchte (und mit Verlaub – meistens weiss ich das besser als der „Fachberater“ im „Fachbetrieb“), zum Zweiten lese ich mich im Web genau schlau über die Produkte, die ich gerne hätte, zum Dritten ist die Verfügbarkeit der von mir ausgewählten Produkte nicht immer gegeben – tja – und zu guter Letzt kann man im Web auch noch viel Geld sparen. In Summe für mich Grund genug, die Dinge online zu kaufen, für die die o.g. Punkte gelten.
Zum Glück hat ein schlaues Köpfchen für uns Online-Shopper die Preisvergleichs-Seiten erfunden, da werden die Angebote mehr oder weniger aller Anbieter mehr oder weniger gut miteinander verglichen, man kann nach Preis ( bei Lieferfähigkeit und incl. Versand!!) sortieren, und findet so schnell den vermeintlich günstigsten Händler. Dass derBilligste nicht immer auch der Günstigste sein muss liegt in der Natur der Sache. Ich persönlich suche immer den preiswertesten „Bekannten“ Händler, wobei ich gestehen muss, dass ich für das unfassbar gute Logistiksystem von Amazon auch gerne bereit bin, ein paar Euro mehr zu zahlen.
Nun begab es sich, dass ich mal wieder etwas kaufen wollte (diesmal eine System-Kamera), ich wurde schnell fündig, und fand das von mir gesuchte Kit grad nach Preissturz (kommt bald was Neues) recht günstig bei ein paar Anbietern. Wie immer überflog ich die eigenartigen Webseiten der mir unbekannten Stores („Lieferbar aus Frankreich in 6-9 Werktagen“?), und suchte in bewährter Weise die ersten „bekannten“ Online-Händler. Zack, Treffer bei „fotokoch“ , Produkt in den Warenkorb – ein Telefonat geführt – dann weiter mit der Bestellung. Mist „Ware wird für Sie bestellt“ – angerufen – tatsächlich wurde wohl soeben das letzte Kit an einen anderen Kunden verkauft. Pech. Zurück zur Preissuchmaschine, nächstes Angebot: „Foto-Köster“ – Auch mit diesem Anbieter habe ich schon viele gute Erfahrungen gemacht. Und tatsächlich: Der Preis ist identisch, das Produkt „lagernd“. Ab in den Warenkorb ausgecheckt, mit Paypal bezahlt… schon kam die Bestellbestätigung. Alles wie immer bei diesem Händler. Dann passierte allerdings nichts. Bisher bekam ich immer spätestens am nächsten Tag eine Mail mit Trackingnummer und einer Lieferbestätigung. Nach zwei Tagen wollte ich beim Händler anrufen, und stellte fest, dass es gar keine Telefonnummer gibt. Man kann zwar im Ladengeschäft anrufen, die jedoch wissen nichts über Bestellungen im Onlineshop – dafür gibt es nur eine Mailadresse. Also schrieb ich mein Anliegen an diese. Einen Tag später bekomme ich ein Mail:

Durch Überschneidungen mit weiteren Aufträgen ist der gewünschte Artikel
leider kurtfristig in unserem Versandlager vergriffen.
Die Ware haben wir aus einem Lager abgefordert, aus dem leider kein Versand
möglich ist. Dadurch verzögert sich der Versand um ca 1-2 Tage.

Interessant, steht doch das Produkt auf deren Webseite noch immer als „lagernd“ sogar mit Angabe von Stückzahl (1).

Einen Tag später bekomme ich ein weiteres Mail – diesmal von einem Mitarbeiter des Händlers:

Ich habe von unserem Hauptgeschäft leider erfahren müssen,das das Objektiv nicht gefunden wird.
Ich habe daraufhin mit unseren Fuji Außendienst telefoniert und er hat sich um eine Direktlieferung an Sie gekümmert.

Aha, mein Objektiv wurde also nicht gefunden?? Und das „Lager aus dem kein Versand möglich ist“ ist wohl Der Hersteller selber?
Ich muss vermutlich nicht erst schreiben, dass die versprochene Lieferung natürlich NICHT erfolgte, oder? Ich muss auch nicht noch ausführen, dass ich noch immer auf die Kamera warte? Ich werde Euch auf dem Laufenden halten, ob und wann die Kamera geliefert wird, und ob man das Objektiv gefunden hat…
Was war passiert?
Klar, da werden sich jetzt wieder einige die Hände reiben und sagen „das haste von Deinem Geiz“. Das mag schon sein, wir reden hier jedoch von einer Preisdifferenz von exakt 500,- – und diese Summe zu sparen hat bei mir nichts mit Geiz zu tun, sondern mit Vernunft. Die beiden Händler sind übrigens beide auch mit grossen Ladengeschäften präsent.
Was hier passiert war, ist ganz einfach eine kleine „Verschiebung“ der Definition „am Lager“. Die Ware WAR (oder IST??) ja „am Lager“ – nur eben nicht beim Händler. Und wohl auch nicht, wie sonst in der Branche üblich beim Zwischenhändler, sondern am Lager des Herstellers. Der wiederum unterhält nur in den wenigsten Fällen tatsächlich eigene Lager, sondern bedienen sich Speditionslagern, oder eben den Lagern von Logistikern. Es ist schon klar, dass die Händler alles tun müssen, um ihre Lagerhaltungskosten im Griff zu halten. Das alte Argument „wir müssten dann ja Preisänderungen aus eigener Tasche abfedern“ lasse ich übrigens nicht gelten, da die meisten Hersteller sog. „Stock Protection“ bieten, doch ich möchte nciht zu weit gehen.

Fakt ist:
Viele Händler bieten heute Waren als „lieferbar“ an, die gar nicht durch sie selber lieferbar sind, sondern an irgend einem Lager von irgend einem Zulieferer liegen. Ich würde mir wünschen, dass durch klare Bezeichnungen der Verfügbarkeiten verbindlich und für den Kunden transparent dargestellt werden muss, ob eine Ware wirklich verfügbar und lieferbar ist. Ich finde die Kommunikation, und die Bezeichnungen („lagernd“ vs. „am Lager“ oder „Verfügbar“) genau so irreführend wie Aussagen „liegt an einem Lager aus dem nicht direkt ausgeliefert werden kann“ oder – noch peinlicher in Zeiten der modernen EDV „die Ware kann am Lager nicht gefunden werden“. Es gibt nicht viele Händler, bei denen man sich zu 100% darauf verlassen kann, dass Lagerbestand und Lieferzusage bestmöglich eingehalten werden und korrekt sind, und das ist eigentlich ein Bücherhändler…

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