Plädoyer für die „echte“ DSLR

Ja, man mag mich konservativ nennen. Aber ICH mag die „dicken“ Spiegelreflex-Kameras, und zwar ganz besonders die aus dem Profi-Segment.

Während überall Fotografen nur noch von den Spiegellosen kleinen Systemkameras reden, die ihre „grosse, schwere Ausrüstung“ ersetzt haben, und jetzt scheinbar überall auch die „professionellen“ Jobs mit lauter Fujis und Olympus Kameras gemacht werden, ist es aus meiner Sicht mal an der Zeit zu sagen, dass es aus meiner Sicht noch immer gute Gründe für die „dicken Brummer“, die echten Spiegelreflexkameras gibt. Welche das sind? Die Gleichen, die es auch schon vor den Spiegellosen waren!

Der Vollformatsensor

Das sogenannte „Vollformat“ war schon immer der beste und für mich wichtigste Grund für eine Spiegelreflex. Man muss nicht Physik studiert haben, um zu wissen, dass mit wachsender Sensorgrösse der Schärfetiefebereich sinkt. Oder anders: je grösser der Sensor, desto besser ist es möglich, Objekte durch die Schärfeebene freizustellen. Dieser physikalische Fakt ist auch durch die tollsten japanischen Entwicklungen nicht änderbar, und somit gilt für mich nach wie vor: ein großer Sensor ist nur durch einen größeren Sensor ersetzbar, oder eben durch größeren Film. Ja, ich weiss, es gibt auch spiegellose Systemkameras, die einen 24x36mm Sensor haben, aber keine, die für mich in Frage käme (s.u.).

Robustheit und Zuverlässigkeit

Kein Hammer zur Hand, aber das Bild muss an die Wand? Macht nix, das geht auch prima mit der Nikon D4. Nicht. Logisch. Mit einer dieser kleinen Kameraleins geht es aber erst Recht nicht. Meine Nikons haben schon einiges hinter sich, weil ich mit den Kameras nunmal arbeite, und sie nicht den ganzen Tag in Vitrine oder Polstertuch habe, und ob nun im strömenden Regen, oder auch mal etwas unsanfter abgelegt hatte ich noch nie auch nur die Befürchtung dass da etwas nicht mehr funktionieren könnte. Die Systeme sind ausgereift, stabil verarbeitet und halten eben einfach. Für mich ist es wichtig, mich auf das Equipment verlassen zu können. Klar: bei dem Preis wäre es auch möglich, gleich ein paar Spiegellose mehr zu kaufen und in den Koffer zu legen, aber die anderen hier genannten Punkte bleiben dann eben wieder offen…

Sicherheit

Die Kameras, die ich einsetze, haben beide jeweils 2 Speicherkarten, somit ist bereits Millisekunden nach dem Auslösen jedes Bild doppelt vorhanden. Speicherkartenfehler? Mir vollkommen egal. Und JA, ich hatte das schon einmal!

Ausdauer

200-300 Bilder pro Akku mit einer Systemkamera. Ach wie niedlich. Eine professionelle DSLR macht locker 1.500 Bilder mit einer Akkuladung. Bei guter Laune sogar 2.500. Und das Beste: es ist ihr (fast) vollkommen egal, ob Sommer oder Winter ist – ich habe keine Ersatzakkus in der Unterhose.

Objektivauswahl

Natürlich gibt es tolle Linsen für die kleinen Systemkameras, und jede Woche werden es mehr, bei lichtstarken Festbrennern gibt es inzwischen auch schon eine gute Auswahl – aber irgendwie ist da für mich das Richtige nicht dabei, das dann auch noch die anderen Anforderungen (Robust, zuverlässig…) erfüllt. Meine Objektive heissen immernoch 1.4/35 und 1.4/85 – gross, schwer, zuverlässig, knackscharf und fürs „Voll“-Format gerechnet: Meins!

Geschwindigkeit

Ich fotografiere Menschen, bisher ist keiner schnell genug von mir weggelaufen, dass die Serienbildgeschwindigkeit einer Nikon D4 an die Grenzen gekommen wäre, Follow-AF brauche ich in meinem Genre auch nur selten – deshalb kann ich gut sagen „schön, dass sie schnell sind, ist mir aber egal, und ich glaube, dass auch die Systemkameras („System“-Bedingt – hehe) ähnlich schnell, oder sogar schneller sein können. Aber wie gesagt – es interessiert mich nicht wirklich.

Iso-Tauglichkeit

Langweilt mich. Fakt ist aber, dass weniger Pixel auf grösserer Fläche weniger rauschen. Physik. Alles andere ist Software. Ich brauche Kameras, die zuverlässig bei ISO 3.200 arbeiten, das schafft heute auch fast jede. Und trotzdem finde ich „mein Rauschen“ schöner. Warum? So halt.

 

Fazit:

Wem die Sache mit dem Bokeh, und der Freistellungsmöglichkeiten im Vollformat einen „circle of confusion“ über den Kopf treibt, wer seine Kameras im Nichtraucherfreien Tierhaushalt in der Vitrine hat, oder wer nur „hoppala“ sagt, wenn mal eine Speicherkarte hinüber ist – wer dann auch noch Platz, und bares Geld sparen will, oder einfach nur so tolle Bilder machen möchte, der ist bei den Spiegellosen sicher goldrichtig. Für MICH sind sie nichts. Aus den Gründen, die es schon immer gab, und von denen aus meiner Sicht keiner heute weniger Daseinsberechtigung hat, als noch vor ein paar Jahren – die Physik hat sich nicht verändert. Und die beiden spiegellosen Kameras in meinem Haus heissen iPhone und Leica M6.

 

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