Nikon D4 – eine Liebeserklärung

So allgemein

Beim Announcement der Nikon D4 war das Gemurmel noch gross, den einen waren die 16,7 MP zu wenig, den anderen war der Sprung zu gering von der D3 / D3s zur D4, wir alle haben gemeckert, dass ein anderer Akku drin ist, und vor allen Dingen neue Speicherkarten (XQD) Verwendung finden. Und dann war da das Theater mit dem Auslieferungen, mit dem sich Nikon wirklich keinen Gefallen getan hat. Die erste Charge sollte „ausschliesslich“ an NPS Kunden gehen, in der Praxis sind jedoch nicht alle NPS Kunden beglückt worden – stattdessen kam so mancher unverhofft einfach und schnell an „seine“ D4. So auch ich übrigens – ich wollte nämlich die ersten Wogen abwarten und ein paar Berichte lesen, bevor ich zuschlage. Ausserdem wollte ich ein wenig Zeit ins Land gehen lassen, damit sich der Preis vielleicht noch ein Stückchen nach unten bewegt. Als sich dann jedoch herausstellte, das – vermutlich aufgrund von Lieferproblemen bei Sony – die ersten D4 Lieferungen einen XQD Kartenleser und eine 16GB XQD-Karte enthalten (Gesamtwert über 200,-), da hab ich mich dann doch ein wenig auf die Suche gemacht – und wurde schnell fündig. Ein Händler am Bodensee hatte eine Nikon D4 verfügbar – während in den Foren alle Besteller wetterten, dass sie noch keine bekommen hatten. Also rein ins Auto, und ab zum schönen Bodensee – dem wirklich freundlichen und zuvorkommenden Händler Foto-Speth einen Besuch abstatten. Und da wartete sie auch schon – „meine“ D4 – samt Kartenleser, 16GB XQD – und sogar einem Ersatzakku, den ich für Barzahlung noch heraushandeln konnte…

 

Und wozu?

Ich verwende die D4 ausschliesslich für die Fotografie von Menschen, und in dem Genre besonders die Hochzeitsfotografie. Daher ist mir ein gutes Rauschverhalten auch in der dunklen Kirche, ein perfekter AF, ein zuverlässiges Gehäuse und die Wetterfestigkeit wichtig. Des weiteren möchte ich mit einer Kamera arbeiten, die vom Akku her eine Hochzeit locker durchsteht, und die mir ein zuverlässiges Arbeitstier ist – so wie meine D3 schon seit guten 3 Jahren immer treue Dienste geleistet hat, und es auch weiterhin tut. Ihr könnt es Euch also schon denken: 11 Bilder pro Sekunde sind nett, aber ich brauche sie nicht – mag sie aber trotzdem.

 

Ergonomie

Nikon hat die Welt der Kameras nicht neu erfunden mit der D4. Warum denn auch? Die D3 konnte schliesslich schon alles verdammt gut. Und trotzdem hat Nikon es geschafft, mir mit der D4 ein Werkzeug regelrecht in die Hand zu engineeren. Die beiden Joysticks, mit denen man im Pacman-Stil die AF-Felder durch die Gegend navigieren kann springen regelrecht an den Daumen. Die AF-Umschaltung via Knopf-und-Dreh (was hab ich darüber geschimpft – bevor ich es ausprobieren konnte) geht erheblich schneller al bisher. Ich weiss nicht, wie ich es anders beschreiben soll: hat man die Kamera erstmal für „sich“ eingestellt, springen einen die Bedienelemente regelrecht an. Der Hochformatauslöser ist jetzt da, wo er hingehört (okay, der war an der D3 auch schon gut, aber nicht so 100% wie jetzt, wie gesagt, ich kanns nicht erklären), die Joysticks sagen „schubbs mich“, und sogar der Auslöser liegt jetzt automatisch gleich in „Anschlagposition“. Eben all die kleinen Dinge, die es beim Shooting ausmachen, sind verbessert worden. Marginal im Detail, aber in Summe wirklich gigantisch.

 

Geschwindigkeit

Okay, ich war schon immer sehr verwöhnt von dem AF der D3 – und trotzdem geht es mit der D4 alles noch einen schnacken besser, präziser, schneller. Auch in kritischen Situationen – wie in dunklen Kirchen – zuckt der AF noch einen Zacken schneller und zuverlässiger ins Ziel. Das gilt auch bei Serienaufnahmen (wichtig: den AF-C auf „Schärfepriorität“ stellen) sind die Ergebnisse auch bei bewegten Motiven im 3D Tracking noch einen ganzen Schlag schneller und treffsicherer geworden. Einen Unterschied in der Geschwindigkeit der Serienbildfunktion zur D3 bemerke ich in der Praxis nicht. In Summe ist allerdings festzustellen, dass das Gesamtsystem aus Fotograf und Kamera aus meiner Sicht erheblich schneller wird – und zwar wegen der besseren Ergonomie.

 

Das „gelbe“ Display

Jaja, ich weiss – alle meckern über das ja „so schlimm gelbstichige Display“ – ehrlich gesagt: Mich stört es überhaupt nicht. Klar habe ich bei den ersten Schüssen auch ein wenig sparsam geguckt, aber in der Praxis stört mich der „Stich“ wirklich nicht.

 

Der Akku

Gerade in der Kombination D3/D4 ist es natürlich schade, dass die D4 einen anderen Akku-Typen verwendet, und ehrlich gesagt verstehe ich es auch nicht (ausser aus Sicht der Verkaufs-Marketer von Nikon). Es wäre sicherlich ein Leichtes gewesen, den gleichen Akku (wie auch schon vorher aus der D2x) zu verwenden. Aber gut, man gewöhnt sich an alles. In der Praxis fällt mir schon auf, dass der erste kleine Balken der „Akku-Füllstandsanzeige“ schneller verschwindet als es noch bei der D3 war / ist. Trotzdem habe ich es bisher nicht geschafft, einen Akku bei einem Shooting beim Einsatz von zwei Kameras komplett leer zu schiessen, kann man aber sicher hinbekommen. Also: Packt nen zweiten Akku ein, und Ihr seid save. Das muss man eh machen.

 

Die QXD-Karten

Auch ein Thema das ich nicht so ganz verstanden habe von Nikon. Aber gut, es ist wie es ist, und nun haben wir den Kartensalat. Wer noch eine D800 mit im Stall hat, hat nun also 3 verschiedene Kartenformate vorzuhalten. Ob das so schlimm ist? Ehrlich gesagt: Wenn man über den ersten Anschaffungs-Schmerz erstmal hinweg ist (und der ist bei der ersten Charge D4 nunmal nicht gegeben, da zumindest die Erstausstattung einer 16GB Karte mit im Karton war), der kann damit leben. Ich setze sowieso immer „Sets“ von Karten für meine Kameras ein, und wenn ich mal ganz ehrlich bin, habe ich die früher nicht untereinander ausgetauscht – heute kann ich es gar nicht mehr.
Es sei aber noch angemerkt, dass die Karten wirklich extrem schnell sind scheinbar – beim Auslesen ist mir das bisher nicht aufgefallen, da ich leider keinen USB3 – Anschluss habe (danke, Apple), aber ich bemerke es beispielsweise beim Formatieren der Karte – hier ist die QXD etwa 4x so schnell formatiert wie die CF-Karte nebenan. Ansonsten ist es mir recht wurscht, da ich die zweite Karte immer als „RAID“ (also 1:1 Kopie) der ersten Karte verwende – ja und die erste Karte ist und bleibt bei mir die CF-Karte. Ganz einfach aus dem Grund, dass ich einen extrem schnellen CF-Kartenleser (FW800) besitze, der die CF-Karte immernoch schneller leert, als der QXD-Reader das über die USB2 Schnittstelle schaffen könnte.

 

Und die Bilder?

Guter Punkt – und genau dieser fehlt mir bei den meisten Beiträgen, die gerade so kursieren zur D4 (und auch zur D800). Die Bilder sind BEEINDRUCKEND und aus meiner Sich einen ganzen Schritt klarer, schärfer, dynamischer und noch ein wenig mehr „woohooo“. Besonders die Klarheit der Bilder hat es mir angetan, und da fällt tatsächlich die D3 ab. Trotzdem muss man natürlich sagen, dass wir hier am absolut oberen Ende der (heute) Fahnenstange diskutieren. Bilder aus der D3 reichen locker für Vergrösserungen in 80×120 (machen viele meiner Kunden, daher kenne ich die Ergebnisse sehr gut). Das letzte Quentchen „mehr“ Schärfe, „mehr“ Klarheit sehen wir Fotografen – im direkten Vergleich bei 100% am Monitor, sonst nirgends – auch wenn das letzte Quentchen mehr Dynamik natürlich schon noch mal die Möglichkeit zulässt, ein abgesoffenes Bild zu retten. Aber wie oft passiert das? Meiner Meinung nach könnte man allerdings fast schon sagen, dass die JPG Engine der D4 so gut ist, dass man für das, wofür man bei der D3 immer das RAW brauchte mit der D4 auch schon im JPG hinkommt. Könnte man sagen. Stimmt aber nicht ganz 😉

 

Und jetzt? Muss ich die auch kaufen?

Ganz klare Antwort: Najaneinvielleichtschonaufjedenfall. Solche Entscheidungen muss jeder mit sich selbst ausmachen. Wer ein zuverlässiges Arbeitstier braucht, mit dem man zuverlässig und schnell arbeiten kann, klasse Bilder auch bei wirklich schlechten Lichtverhältnissen machen muss und möchte, für den kann ich sofort eine Empfehlung aussprechen. Wer heute eine D3 oder D3s hat, auch der wird die D4 sehr zu schätzen wissen mit ihrer erheblich eingängigeren Bedienbarkeit. Als Werkzeug! Wegen der – ein wenig – besseren Bilder alleine sicher nicht.

Ich jedenfalls möchte sie am Liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen…

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