Leica – Du wundervolle Versuchung der Unvernunft…

Wer mich kennt, weiss, dass ich seit Monaten und Jahren ein sehr überzeugter Nikon-Fotograf war. Die klassischen, „dicken“ professionellen Spiegelreflexkameras, mit sprichwörtlicher Zuverlässigkeit, die auch schon mal einen Hammer ersetzen können. Schnell, zuverlässig, unkaputtbar. Ja, ich habe sie wirklich sehr gemocht, meine Nikon D4 und meine Nikon D800. Meine Nikon Ausrüstung hat mich durch viele Jobs stets zuverlässig begleitet, und sie haben getan, wofür sie gedacht waren: sie haben ihr Geld verdient.

Nachdem ich nun aber aus privaten Gründen nur noch in Ausnahmefällen und nur noch ausgewählte Hochzeiten fotografiere, und sich meine Fotografie weit mehr in Richtung „Portrait“ entwickelt, brauchte ich diese schweren Geschütze nicht mehr. Und eine D4 – sei sie auch noch so schön – einfach „herumliegen“ zu haben ist nun wirklich nicht Sinn der Übung. Gleichzeitig war da die ganze Zeit der Wunsch in mir, „bewusster“ zu fotografieren, und den technischen Overkill mit Megapixelwahn, AF-Feldern und Pixel-Peeping hinter mir zu lassen. Wollte mich konzentrieren auf die Fotografie, nicht auf die Befriedigung der immer aktuellsten Technik.

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In diesem Moment lief mir – in Form einer wundervollen M6 – das erste mal das Leica System bewusst über den Weg. Bewusst als Alternative. Alternative für mich. Natürlich kannte ich Leica schon vorher, aber für mich kam das System nie in Frage, und ehrlich: ich fand das Preisgefüge immer massiv überzogen (und tue das noch immer!). Mit der M6 und einem 50er Zeiss Objektiv fing sie also an, meine Leidenschaft für Leica. Ich bemerkte, dass ich mit der M6 anders fotografiere, mir weit mehr Zeit lasse (lassen muss), und bewusster arbeite. Der Reiz des Leica Systems hatte mich in seinen Bann gezogen – und so musste ich mich einfach behutsam weiter an das System herantasten, um herauszufinden, dass der „Leica-Weg“ zu „meinem Weg“ werden konnte. Und so verkaufte ich ein paar Gegenstände meiner Nikon-Ausrüstung, und schaffte mir eine gebrauchte Leica M9 an. Und schon nach dem ersten Fotoshooting, in dem ich mich nur auf die M9 verlassen habe, und bewusst ohne die dicken Nikons unterwegs war, war es um mich geschehen. Die Art und Weise mit der M9 zu fotografieren, war für mich irgendwie „analoge Fotografie ohne Scannen“. Die Bilder haben einen eigenen Look, den ich nicht beschreiben kann, und für mich waren – und sind – die Bilder ein Stück weit „besonders“ im Gegensatz zum DSLR-Einheitsbrei unserer Tage.

Diese Erkenntnis war Grund genug für mich, alles auf die Leica-Karte zu setzen, und so verkaufte ich vor ein paar Wochen meine komplette Nikon Ausrüstung, um Stück für Stück auf Leica umzusteigen. Dieser Umstieg ist nun vollzogen, und ich muss sagen, dass mich das System fasziniert – auch wenn – oder vielleicht gerade weil – man sich erst lange einlesen muss, um zu verstehen, welche Objektive zu einem Fotografen passen, worauf man achten muss – weil man nicht einfach mal schnell ein Bild machen kann, sondern erst voll und ganz dabei sein muss – und weil die Bilder einen Look haben, der einfach irgendwie anders ist, und wenn ich ehrlich bin, dann liebe ich auch den verwirrten Blick meiner Motive beim Anblick dieser kleinen, altmodischen Kameras…

Was der technische Grund für einen Wechsel zum Leica System ist?
Keiner.

Was der vernünftigste Grund für den Wechsel zu Leica ist?
Keiner.

Warum ich es doch getan habe?
Weil es so wundervoll ist, so anders, so schön. Weil man sich auf jedes Bild ganz anders einlassen muss. Weil es pure Fotografie ist. Weil die Objektive schon vor 40 Jahren eine Klasse für sich waren. Weil keiner mehr nachfragt, was denn an der Nikon D810 nun eigentlich besser ist als an der D800. Weil es so wundervoll unvernünftig ist. Weil einfach nicht alles im Leben immer vernünftig sein muss.

Sind meine Bilder jetzt besser?
Nö, wieso sollten sie?

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