Autofocus mit Nikon D4 und Nikon D800 – (k)ein Vergleich sondern Praxis.

Ich sag es lieber gleich: wer einen klinischen Test unter Laborbedingungen erwartet, der kann die Seite gleich wieder schliessen. Mir geht es ausschließlich um das subjektive Empfinden bei der Arbeit mit den Geräten:

 

Ehrlich gesagt wundert es mich ein wenig, dass viele andere Fotografen immernoch mit „Focus and Recompose“ arbeiten. Das mag für einen kleinen Verschwenker immernoch funktionieren, spätestens mit weit geöffneten Objektiven und den hohen Auflösungen geht das nicht mehr. Bei der D800 habe ich das Gefühl, dass im 100% View die Schärfeebene vielleicht 4mm hat – beim 85er auf Blende 2 (!).

 

Focus und Recompose würde ja ausserdem davon ausgehen, dass ein Objektiv in den mittleren Bereichen und in den äusseren Bereichen an der gleichen Stelle scharf ist. Ist aber nicht so in der Praxis!

 

Das herumschubbsen der Focuspunkte geht mit der D4 auch so unfassbar schnell und einfach dank der Joysticks, dass das Thema Recompose eh mal Geschichte sein sollte. Von den AF-Sensoren her merkt man bei extrem schlechtem Licht natürlich einen Abfall der Treffsicherheit, dann kann ich immernoch den mittleren AF Punkt nehmen – aber ich „recompose“ in dem Fall nur noch ein kleines bisschen – in dem Fall bin ich dann ja auch schon bei recht hohen ISOs, diese Krachschärfe bring ich also eh nicht hin.

 

Ich bin aber der Meinung, dass man um die AF-Feinjustage der Objektive nicht herumkommt, die Sensoren bilden inzwischen so scharf ab, dass man jeden Fehl-AF sieht – ich sag immer „unser 100% 30“ Monitor-Problem“ – man sieht eben ALLES. Deshalb zu sagen, dass scharfe Bilder „Glückstreffer“ sind, würde ich nicht sagen.

 

Jetzt muss ich aber zugeben, dass ich nie unter Laborbedingungen schiesse, und dann auch noch auf Menschen. Ich bin draussen, bei wechselndem Licht, in schnellen Situatiationen, muss „den Moment“ treffen, schieben ständig AF-Felder umher… Dafür findet dieser „Zufall“ des scharfen Bildes schon erschreckend oft statt. Trotzdem produzier ich auch Ausschuss. Meistens wenn es mal wieder zu hekitsich war, ich falsch focussiert oder Belichtet habe (bei mir immer Spot), es zu dunkel war, oder der Moment mal wieder zu kurz war.

 

Fakt ist aber: Der AF der D4 ist für mich phänomenal gut, in Kombination mit der Möglichkeit, den AF-Punkt herumzuschubsen in kürzester Zeit, und der Abbildungsleistung und Schärfe des Sensors ist es ein Kracher.

 

Wichtig: Bei AF-C auf Focus-Priorität stellen (bei der D800 vielleicht sogar bei AF-S), die Linsen fein eingemessen haben, und gut zielen 😉 – der alte „Sniper-Trick“ hilft: Einatmen, Focussieren, Auslösen, Ausatmen“.

 

Was noch wichtig ist, wenn wir schon über diese Feinheiten reden:



1.) die AF-Felder sind RIESIG! Ziele ich aufs Auge eines Models, und das AF-Feld ist grösser als das Auge, kann ich nicht erwarten, dass die Pupille scharf ist, es sind dann eben oft die Wimpern – deshalb hat die Kamera aber keinen Fehler gemacht. Bei einer Schärfeebene von 4mm ist das schon ein Unterschied ob die langen Wimpern des Models scharf sind, oder die Pupille.


2.) Abblenden verschiebt den Schärfepunkt nicht wirklich – es wird nur nicht gleichmässig vorne und hinten mehr scharf, sondern witzigerweise nur hinten. Was doof ist: Focussiere ich auf die Pupille sind auch bei 2.8 die Wimpern u.U. Unscharf, nach hinten wäre noch Reserve gewesen – also muss ich auf die Wimpern focussieren.


3.) Wir sind alle irre!

Anbei nochmal ein Bild aus dem „Moment“ einer Hochzeitsreportage mit der D4.

 

 

Und nochmal ein Bild von der wunderbaren Caro aus der D800, bei dem man im 100% View gut sieht, wie winzig die Schärfeebene ist (ich habe extra keine unbearbeiteten RAWs eingestellt, weil es bei mir in der Praxis keine unbearbeiteten Bilder gibt.)

 

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