Analoge Fotografie mit der MAMIYA RZ67 Pro – Erfahrungen

Wer mit analoger Fotografie anfängt, kommt früher oder später um das analoge Mittelformat nicht herum. Mir haben es die Mamiyas schon immer angetan, so hatte ich bereits eine 645 Pro TL, und habe inzwischen eine 645 AF – und weil mir das „kleine Mittelformat“ nicht genug war, war es eine Frage der Zeit, bis eine Mamiya RZ67 den Weg zu mir fand. Das Format 6×7 bedingt natürlich eine grosse und schwere Kamera – und zugegeben: das Handling ist nichts für Ungeduldige. Die Kamera ist gross und schwer, focussieren ist nur mittels der im Lichtschachtsucher befindlichen Lupe recht zuverlässig möglich – hinzu kommt noch, dass die Kamera keinen eingebauten Belichtungsmesser hat – das alles nennt man dann in Summe wohl „entschleunigte Fotografie“. Besonders dann, wenn man die Filme hinterher auch selber entwickelt, was für mich ehrlich gesagt den Reiz der analogen Fotografie ausmacht. Durch das grosse Format passen nur 10 Bilder auf einen 120er Rollfilm – wenn man mit der Kamera arbeitet, stellt man aber fest, wie viel 10 Bilder sein können. Man arbeitet in analog vollkommen anders, lässt sich Zeit mit der Wahl des Ausschnitts und dem Focussieren. Bei diesem Shooting hier habe ich zum Vergleich ca. 450 Bilder digital fotografiert, aber nur 40 analog – man kann also guten Gewissens sagen, dass man nur 1/10 der Auslösungen macht, weil man sich einfach Zeit nimmt – das heisst aber am Ende nicht automatisch, dass man auch nur 1/10 „brauchbare“ Bilder herausbekommt. Da man sich mit jeder Aufnahme mehr Zeit nehmen MUSS, sich mehr konzentrieren MUSS, sind die Ergebnisse auch zuverlässiger… theoretisch jedenfalls. Denn in der Praxis hat die analoge Fotografie – nicht nur in diesem Format, das den zusätzlichen Schwierigkeitsgrad des Kamerahandlings hat – natürlich viele andere Tücken:

 

  • Habe ich die Belichtung richtig gemessen? (bei meinem ersten Shoot mit viel Gegenlicht, habe ich glatt 2 Rollen Film komplett unterbelichtet – menschliches Versagen, und ein Belichtungsmesser, der die Sonne einfach zu hell fand)
  • Habe ich das Bild auch nicht verwackelt? (die Kamera ist sehr schwer im Vergleich zum modernen Zeug)
  • Hat die Entwicklung funktioniert? (Alter des Entwicklers, Länge der Fixierzeit, Temperatur der Chemikalien – alles muss stimmen)
  • Ist der Film gut getrocknet? (Wasserflecken sind schlimm, Spuren vom Abzieher aber auch – oder hat sich der Film gewölbt (mein FP4 war ein Röllchen nach der Entwicklung!)
  • Ist der Film staubfrei? Filme ziehen Staub sooo gerne an – der Scanner natürlich auch
  • Wie gut sind die Scans geworden?

 

Alles in Allem ist und bleibt für mich die analoge Fotografie ein abenteuerlicher Ausflug in die Fotografie vergangener Tage – aber es fasziniert mich total – es ist nicht möglich, brauchbare Ergebnisse zu erzielen, ohne sich mit dem Medium Film, dem Licht, und auch der Fototechnik in Ruhe auseinanderzusetzen, das, und die damit verbundene Ruhe, und Entschleunigung macht für mich den Reiz des Analogen aus. Die Mamiya RZ67, dieses sperrige, schwere Stück solider Technik ist dafür für mich die absolute Königsklasse der Fotografie – ein ganz neues Erlebnis, das in Verbindung mit der eigenen Entwicklung von Filmen aus einem Fotoshooting ein Abenteuer macht – mit Bildern fern der Perfektion dessen, was moderne digitale Kameras zu leisten vermögen…

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