Leica Q vs. Leica M | welche ist besser? | Ein unmöglicher Vergleich

Eigentlich kann man die unsinnige Frage, welche der beiden vollkommen unterschiedlichen Kameras nun die Bessere ist mit einem ganz klaren ‚kommt drauf an‘ beantworten. Oder eben ‚beide sind besser’…

Eins gleich vorweg: das hier ist und wird kein Test, kein Vergleich für Nerds, sondern hier geht es um das Gefühl mit den Kameras.

Aber der Reihe nach. Ich liebe die Leica M schon seit einer Weile heiss und innig, und ich habe dazu ein Summilux 1.4/75 und ein Summilux 1.4/50. Ich arbeite mit dem 75er ausschliesslich mit dem – arg in die Jahre gekommenen – elektronischen Viewfinder, denn das Objektiv ‚offen‘ mit dem Messucher scharf zu bekommen ist schlichtweg unmöglich.

Irgendwann kam der Moment, als ich mir gern noch ein 35er gönnen wollte zur Leica M. Wer die Leica Preise kennt, weiss, dass so ein Objektiv schnell ins Geld geht. Die Preise bei Leica sind ja noch abstruser als die Immobilienpreise in München. So ein gebrauchtes 1.4/35 kann schonmal gut 3.000,- kosten. Und JETZT kommt die Leica Q ins Spiel. Ich dachte mir: ‚für 3.000,- ein 35er? Nein, dann kauf ich lieber ne gebrauchte Q, die hat zwar 28mm, aber da ist ja der Body schon mit dran, und die modernere Kamera ist es auch‘. Gesagt – getan.

 

Da ist sie also: Die Leica Q. Wer von der M kommt, ist erstmal erschrocken darüber, was man da alles einstellen kann. Das Ding ist eben eine moderne Kamera. Mit diversen Autofocus Modi, einer Gesichtserkennung (die erstaunlich gut funktioniert), extrem schneller Reaktionszeit, WLAN und noch vielen anderen Dingen, die ich niemals brauchen werde…

Die M daneben ist eine altmodische, störrische Kamera mit schlechtem Display, langsamer Elektronik, einigen Bugs und der Neigung zu Systemabstürzen.

Damit ist schonmal klar: Die Leica Q ist die bessere Kamera. Eigentlich. Also technisch.

Die Verarbeitungsqualität beider Kameras ist auf höchstem Niveau, aber ehrlich gesagt ist das auch das Mindeste was man in diesen Preis-Regionen erwarten darf. Immerhin hat eine gebrauchte Leica Q den Gegenwert einer gebrauchten kompletten Nikon Ausrüstung aus zwei Vollformat Bodies, hochwertigen Linsen, Blitz und Zubehör…

Nun kommen wir aber zum Fotografieren. Die Q ist sauschnell, auf den Punkt, sehr genau, und hat ein unglaublich schönes Bokeh. Die Freistellung ist für ein 28mm Objektiv bei Offenblende (und ich hab sie immer komplett offen genutzt!) herausragend und unvergleichlich. Die Gesichtserkennung funktioniert super, und die Kamera LIEFERT einfach. Zugegeben: 28mm muss man ‚mögen‘ – es ist eben nicht ‚ein bisschen mehr als 35‘ sondern komplett anders, und sie neigt bei kurzer Distanz im Randbereich zu Verzeichnungen (natürlich!!).

Die M daneben ist lahm, meine Models bereite ich immer schon vor, dass es ein wenig dauert. Das 1.4/75 scharf zu stellen ist eine Herausforderung, und meine liebste Kollegin ‚Linse‘ (Linse im Web) kann in der Zeit bis ich scharf gestellt habe, eine halbe Speicherkarte füllen mit ihrer Canon 6D (zugegeben: ich mag das Ding. Also die Linse). Zurück zur Linse: es dauert, aber dann bekomme ich Bilder, die ihresgleichen suchen… sie sind individuell, und machen dieses ‚Leica Licht‘.

Jetzt stellt sich einigen natürlich die Frage „was ist denn bitte dieses LEICA LICHT“? Nun, ganz einfach: es sind optische Fehler. Schlecht korrigierte Linsen (mein 75mm ist von 1989, das ist nicht ‚für digital gerechnet‘ – das gibt es nämlich gar nicht – also nicht in meiner welt ohne Messgeräte und Mauerfotos). Streulicht fällt seitlich oder im Gegenlicht auf den Sensor der M, der bekommt einen Streifen in die Ecke, es ist technisch betrachtet das schlechtere Bild… Die Q liefert ohne Fehler ein unfassbar perfekt durchkorrigiertes Bild… So gesehen ist die Leica Q die bessere Kamera.

Und deshalb habe ich meine Q wieder verkauft.

Sie war mir zu gut. Zu perfekt. Die Bilder. Zu perfekt. Ich gebe zu, dass ich auch Schwierigkeiten mit den 28mm hatte – das ist einfach nicht meine Brennweite. Das ist aber absolut Geschmackssache. Und das ist schlussendlich bei den Bildern auch so: Geschmackssache.

(kein Fotograf sollte ohne Duplo aus dem Haus gehen!)

 

Und welche ist jetzt die bessere Kamera?

Ganz einfach: Wer eine herausragende Kamera sucht, die auf dem technischen Stand von heute ist, perfekte Bilder macht, und dann auch noch das Leica Gefühl transportiert. Wer eine qualitativ erhabene Kamera besitzen möchte, die ein unfassbares Bokeh zeichnet, und dabei trotz Vollformatsensor noch klein und kompakt ist, der kommt an der Q nicht vorbei.

Für MICH ist die M aber die richtige Kamera. Sie ist für mich eine Kamera, die es mir ermöglicht, ‚analog‘ zu fotografieren, aber ohne Film. Das Licht, die Objektive sind für mich unglaublich schön. Es ist weicher, es gibt Verzeichnungen. Wer damit leben möchte, und das mag, wird sich die Zeit nehmen, herauszufinden, wie diese Verzeichungen zustande kommen, wie man das Licht arrangieren muss, damit dieser weisse Schleier über das Bild fällt (nein, das geht so nicht in Photoshop). Wer sich Zeit nehmen möchte für die Fotos, wer sich darauf einlassen kann und will, dass die Kamera ihre Tücken hat… Okay, das liest sich wie eine Liebeserklärung. Und das soll es auch sein:

Es gibt keinen vernünftigen Grund, sich eine Leica M zu kaufen. Tu es!

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